Stereotype, Selbstzensur und Staatsräson. Deutsche Medien und der Genozid in Gaza.
Veranstaltung mit Fabian Goldmann, Journalist und Islamwissenschaftler.
22. Oktober 2026, 19 Uhr, Kartenraum im Peter Weiss Haus.
Wie funktioniert rechtes Framing? Wie kommt es, dass in einer Gesellschaft selbst massive Gewalt und schwersten Unrecht gegen Zivilist*innen gerechtfertigt oder hingenommen werden? Und welche Rolle spielen dabei Medien, Sprache und die Bilder, mit denen wir auf politische Ereignisse schauen? Wer verstehen will, wie Entmenschlichung und die gesellschaftliche Akzeptanz von Gewalt funktionieren, muss auch untersuchen, wie solche Deutungen entstehen, verbreitet und normalisiert werden.
Fabian Goldmann illustriert diesen Prozess anhand der medialen Berichterstattung über die Gewalt im Nahen Osten seit dem 7. Oktober 2023. Der Medienkritiker und Autor des Buches „Staatsräsonfunk. Deutsche Medien und der Genozid in Gaza“ hat über ein Jahr lang tausende Medienbeiträge von Bild, Spiegel, Tagesschau, taz und Co. ausgewertet. In seinem Vortrag „Stereotype, Staatsräson und Selbstzensur“ vertritt er die These, dass deutsche Leitmedien die Gewalt im Nahen Osten seit dem 7. Oktober systematisch verharmlost, verschwiegen und gerechtfertigt haben und damit einen Genozid mit ermöglicht haben.
Anhand umfassender Recherchen und exklusiver Einblicke hinter die Kulissen des deutschen Mediensystems zeigt der langjährige Journalist, wie und warum aus gut ausgebildeten Journalist*innen Propagandist*innen eines Genozids werden konnten. Der Blick auf die Berichterstattung über Gaza ist dabei mehr als eine Medienkritik zum Nahostkonflikt: Er eröffnet die Frage, welche gesellschaftlichen Mechanismen es ermöglichen, dass Entmenschlichung und die Rechtfertigung von Gewalt normal werden – und was das über den Prozess gesellschaftlicher Faschisierung verrät.